Vergebung



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Predigt von Melanie Kundt 

Vergebung, die heilt (verletzte Menschen verletzen) 

Ich predige das folgende nicht, weil ich perfekt auf diesem Gebiet bin, ganz im Gegenteil. Ich predige dieses Thema, weil ich merke, dass mein Herz selbst Nahrung braucht und belehrt werden muss. Und ich weiß, dass viele Herzen hier ebenfalls leiden und Hilfe auf diesem Gebiet brauchen. 

Es geht um: Vergebung Ihr könnte euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich vor diesem Predigtthema drücken wollte, wie oft ich Gott erklärt habe, dass vielleicht ein anderes Thema besser wäre.  Also ihr merkt, für mich ist dieses Thema eine ziemliche Herausforderung. 

Früher dachte ich das Thema Vergebung gilt nur denen, die von Menschen sehr schwer verletzt wurden, Missbrauch erlebten auf irgendeine Weise oder eine harte Vergangenheit hinter sich haben, aber heute weiß ich, dass Menschen sich sehr schnell verletzt fühlen können. 

Jeden Tag erwarten uns Gelegenheiten verletzt zu werden: in der Familie, in der Ehe, in der Nachbarschaft, im regen Straßenverkehr, bei unseren Kindern, auf der Arbeit, in der Gemeinde, in Freundschaften.  Da wo Menschen sind, da gibt es auch Verletzungen, Enttäuschungen und dieses ist unausweichlich. 

Vergebung ist allerdings eins der am meisten unterschätzten und falsch verstandenen Themen überhaupt. 

Für Jesus war dieses Thema allerdings nie ein Randthema, denn sogar im Vater Unser und auch in anderen Augenblicken redet er immer wieder mit seinen Jüngern über Vergebung.  

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Matthäus 6,12 (HFA) 

Auch Paulus kommt immer und immer wieder darauf zu sprechen: 

Mit Bitterkeit, Wutausbrüchen und Zorn sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere und vermeidet jede Feindseligkeit. Seid vielmehr freundlich und barmherzig und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat. Epheser 4,31+32 (HFA) 

Es gibt sicherlich viele Gründe warum Vergebung ein so wichtiges Thema ist und unzählige Bücher darübergeschrieben werden. Aber auf den ersten Blick scheint Vergeben unfair zu sein, ungerecht, und es ist erst recht nicht billig, es kostet eine ganze Menge. Und deshalb ist dieses Thema vielleicht so unbeliebt. 

Aber gleichzeitig bewirkt Vergebung:  

Heilung, Freiheit, Wunder, Gesundheit, Wiederherstellung, Versöhnung, Kraft, Frieden, Ruhe 

Und das sind alles wunderbarere Themen oder? 

Für ein siegreiches Leben ist Vergebung keine Wahlmöglichkeit, sondern eine Voraussetzung.  

„Das Level an Vergebung, was wir anderen Menschen zusprechen, entscheidet letztendlich über das Level an Freiheit was wir erleben werden.“ 

Gott sehnt sich danach, dass seine Kinder in Freiheit leben und dafür hat er so einiges auf sich genommen. 

Er liebt dich zu sehr, als das er möchte, dass du noch eine weitere Sekunde, einen weiteren Tag, Schmerzen in deinem Leben erfährst und in Unfreiheit lebst. Gott wünscht das unsere Herzen völlig intakt sind. Unvergebenheit hingegen gibt Satan einen Spielraum zu wirken und sorgt dafür, dass wir nicht in dem Potential leben, welches Gott für uns vorgesehen hat. 

Wenn wir unsere Schmerzen unterdrücken, werden sie eigendynamisch auf die eine oder die andere Art hervortreten, sei es durch Ausbrüche von Wut, Krankheit, körperlicher Schmerz, zwanghaftes Verhalten, Kontrollsucht, Ängste, Panik, Sturheit … 

Verletzungen werden in Beziehung hineingetragen, in deine eigene Identität, in deine Berufung und führen zu weiterem Schaden. 

„Verletzte Menschen verletzen Menschen.“   

Ich persönlich habe Verletzungen erlebt, wo es mich Jahre gekostet hat, zu vergeben, wo es mir sehr schwer fiel mir selbst zu vergeben oder wo ich so verletzt wurde, dass ich zu Gott schrie und sagte: es tut mir leid, ich kann dieser Person nicht vergeben – das war zu heftig für mich. Ich kenne es auch, wenn man immer und immer wieder verletzt wird und sich scheinbar nichts ändert und man einfach keine Kraft mehr hat zu vergeben. Man fühlt sich wie so ein leerer Tank. 

In der Bibel steht aber auch nichts davon, dass Gott all unsere Schmerzen, Verletzungen verschwinden lässt, sondern er sagt, dass er sich darum kümmert. Gott nimmt uns nicht raus aus unserem Kampf, sondern er trägt uns durch und stärkt uns, wenn wir an ihm bleiben. Das ist sein Wesen uns durchzutragen, damit wir wachsen können. Es fühlt sich nicht gut an, aber es ist definitiv der bessere Weg. 

Bei Vergebung geht es ganz stark darum, wie du Gott siehst und wer Gott für dich ist.  Unvergebenheit prägt meine Beziehung zu Gott so intensiv – auch wenn ich mir dessen nicht bewusst bin.  Wir denken oft es geht nur um mich und den anderen. Falsch gedacht. In erster Linie geht es um mich und Gott.  Schaffe ich es mich von ihm heilen zu lassen, schaffe ich es aus seiner Kraft zu leben, mich an ihn zu hängen in dem Schmerz, schaffe ich es Gott die Führung zu übergeben oder führe ich mich selbst durch diesen Schmerz? 

Meine Bereitschaft zu vergeben ist immer Ausdruck meiner Beziehung zu Gott. Wenn ich Vergebung nicht leben kann, dann gibt es etwas in meiner Beziehung zu Gott, was nicht gesund ist. Ich persönlich finde diesen Punkt ziemlich hart. Aber muss zugeben, dass es die Wahrheit ist.  

„Unvergebenheit ist letztendlich, wie ein Gefängnis – du bist der einzige Insasse darin, aber du bist auch gleichzeitig der Wärter, der den Schlüssel in der Hand hält um frei zu kommen.“ 

Der Feind will uns an einen Punkt bringen, wo wir entweder unwillig sind oder uns für unfähig halten, zu vergeben. Der Feind liebt es uns gefangen zu halten. Wenn wir nur verstehen könnten, dass unsere Freiheit von nur einer Entscheidung abhängt. 

Vergebung ist eine Entscheidung, doch wir machen es oft von unserem Gefühl abhängig. Vergebung muss sich nicht gut anfühlen, damit es echt ist. 

 „Vergebung ist eine Wahl, während Heilung ein Prozess ist.“ R.H.   

Im Grunde kämpfst du nicht gegen jemand anderes, sondern du kämpfst gegen dich selbst. Gott zwingt uns nicht zu vergeben, er gibt uns zwar den Auftrag; sagt, was sein Wille ist, aber wir entscheiden. Wir denken immer Vergebung ist ein Geschenk, was wir anderen machen, aber es ist ein Geschenk, welches du dir selbst machst. 

Es gibt gute Gründe verärgert und wütend zu sein, aber am Ende des Tages sitzen wir allein mit unserem Schmerz da. Den Schmerz musst du allein aushalten, egal wie vielen Leuten du davon erzählst und sie auf deine Seite holst. Schmerzen kann man nicht teilen. 

Vergebung beginnt nicht bei anderen. „Erst wenn er sich entschuldigt hat, erst wenn sie sich gebessert hat, erst wenn ich sehe, dass er/sie … nein nein - Vergebung beginnt bei dir. Es bedarf beider Parteien, sich zu versöhnen, aber nur eine Person zu vergeben. 

Bei Vergebung geht es immer um Wunden. Je nach Art der Verletzung bzw. Tiefe der Wunde ist die Behandlung sehr individuell.  Manch einer braucht eine langwierige OP und ein anderer nur ein Pflaster. So ist jede Wunde und jede Heilung ganz individuell. 

Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Wunden und Narben. Mit unverheilten Wunden können lebensgefährlich werden. Narben sind die Trophäen der Gnade Gottes, denn sie zeigen, dass wo wir eins Wunden hatten, die uns vielleicht zerstört hätten, aber Gottes Gnade uns heilte. Menschen mit Narben verstehen Menschen mit Wunden und können ihnen in ihrem Heilungsprozess helfen.  

 „Verletzte Menschen verletzen Menschen und geheilte Menschen heilen Menschen.“

Offene Wunden ziehen Fliegen an - emotionale Wunden ziehen Geister an. Wenn verwundete Herzen offene Türen für den Feind sind, müssen wir dafür sorgen, dass wir dem Herrn erlauben, derartige Wunden zu heilen um Frieden zu finden, dann werden geheilte Herzen für den Feind verschlossene Türen sein. 

Wenn wir uns mit alten Wunden umherschlagen und merken, dass wir an Dingen festgehalten haben, anstatt sie Gott zu bringen, ist der erste Schritt Buße zu tun. Es geht nicht darum Buße über die Situation zu tun, in der wir verletzt wurden, sondern darum, dass wir uns daran geklammert haben und die Kontrolle über unseren Schmerz haben wollten und genauso Buße über unserem Groll/Hass tun. Vielleicht auch Buße darüber, dass wir Gott misstraut haben und ihm nicht erlaubt haben zu wirken. Vielleicht denkt der eine oder andere er hätte ein Recht daran festzuhalten, aber das ist nicht wahr. 

Vergebung im altgriechischen kommt von „aphiemi“ und heißt loslassen, wegschicken und kommt im NT ca. 150 mal vor. Dasselbe Wort wird auch für Scheidung gebraucht, welches im 5. Mose vorkommt. 

In der Bibel steht: vergib und euch wird auch vergeben werden – wörtlich heißt es: lasst los und dann werdet ihr losgelassen werden.   

Unvergebenheit ist Gift und solange ich nicht loslasse, vergifte ich mich selbst und mein Herz. Ich habe vor einiger Zeit ein Buch dazu gelesen und der Autor gab einen sehr guten Tipp und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es ein göttlicher Ratschlag war.  Ich erkläre euch warum. Ich saß draußen im Garten und lass dieses Buch:  Er verglich den Prozess der Vergebung mit einem Helium Luftballon: jeder kennt diese Situation, wenn du so einen Ballon in den Händen hältst und wenn du unvorsichtig bist, ist er weg. Das bedeutet es loszulassen. 

 „Im Gebet kannst du vor Gott kommen. Dir vorstellen, wie du diesen Ballon hältst. Stell dir vor, dass du den Namen des Menschen drauf schreibst, der dich verletzt hat, die Situation etc. und dann lass ihn in Gedanken fliegen und beobachte wie er zum Himmel steigt, bis er weg ist. Dann sprich zu Gott: ich gebe dir die Person, den Schmerz, die Umstände, die Situation etc. Ich lasse los: Wut, Zorn, Enttäuschung, Schmerz, Bitterkeit, Hass etc. und ich lasse die Person los.“ 

In dem Augenblick als ich das im Garten las, rief mein Sohn: „Mama, Mama – schau mal da oben“. Und über unseren Köpfen flog ein Heliumluftballon in Form eines Schmetterlings über unserem Garten. In diesem Moment wusste ich, dass ist ein göttlicher Ratschlag.  In den darauffolgenden Wochen probierte ich diesen Ratschlag aus. Und ich war erstaunt, wie sehr mir dieser Tipp geholfen hat zu vergeben und Ruhe in meinen Gedanken bekommen habe. 

Vergebung setzt den Frieden Gottes frei und bringt uns Freiheit, aber danach beginnt der Heilungsprozess, denn manchmal hängt der Schmerz weiter an diesem Ereignis. Wir müssen Heilung für unsere Wunden und Erinnerungen anstreben. Es bedeutet nicht nur, dass unsere Herzen geheilt werden müssen sondern auch unsere Gedanken, unser Schmerz ist verbunden mit unseren Erinnerungen. 

Zu dem Prozess der Heilung kann es besonders hilfreich sein die Person zu segnen. Wenn du für diese Person betest und diese Person wird sich nicht verändern, gibt es definitiv eine Person, die sich verändert und das bist du. 

Für uns Gemeinde, als Familie ist es wichtig uns gegenseitig zu helfen, dass der andere nicht in seinem Schmerz verhaftet bleibt. Das ist was Gemeinde ausmacht. Wenn du merkst, jemand hat offene Wunden, trägt einen Schmerz mit sich herum, klagt jemanden an, sich selbst oder Gott und lebt in diesem Gefängnis und braucht Hilfe dabei seinem Heliumballon loszulassen, dann hilf ihm und schau nicht weg.

Autor: Melanie Kundt
Bilder: https://pixabay.com 

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